Ich stand, wo du jetzt stehst
Ich weiß, wo du stehst – weil ich selbst dort stand.

Ich habe dreimal an dem Punkt gestanden, an dem du jetzt vielleicht stehst. Dreimal wusste ich, dass es vorbei ist – und traute mich trotzdem nicht zu gehen. Und jedes Mal lag es nicht an den Männern. Es lag an einem Muster in mir.
Mein erster Mann füllte jeden Raum. Ich wurde leise. Dreizehn Jahre lang hielt ich ihm den Rücken frei – bis zwischen uns nichts mehr übrig war, nicht einmal Berührung. Als er auszog, musste ich erst lernen, wer ich ohne ihn überhaupt bin.
Dann kam ein Mann, mit dem meine Lebendigkeit zurückkam – bis ich das Rollenbild erkannte und zum ersten Mal klar eine Grenze zog. Und dann die große Liebe: sechs Jahre Fernbeziehung, in der ich gab und gab und ständig wartete, aus Angst, ihn zu verlieren.
Drei völlig verschiedene Männer – und immer dasselbe Muster: Ich passte mich an. Ich machte mich klein. Ich wartete. Erst als ich das verstanden habe, konnte ich aufhören, mich selbst zu verlassen.
Heute lebe ich seit Jahren in einer Beziehung, in der ich frei sein darf. Auf meine früheren Beziehungen blicke ich ohne Groll – jede war ein Geschenk. Ich weiß, wie einsam dieser Weg ist. Und ich weiß, dass es einen Weg gibt, ihn stabil und in Würde zu gehen. Genau diesen gebe ich heute weiter – nicht aus einem Buch, sondern aus meinem eigenen Leben.